Süchtig nach dem Handy?

Das Smartphone gehört ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Nur wann ist zu viel zu viel?

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"Leg das Ding doch mal zur Seite!“ und „Du bist ja schon voll süchtig!“. Diese oder ähnliche Sprüche haben wahrscheinlich schon viele von euch gehört. Aber kann man überhaupt vom Handy süchtig werden und wann rutscht man in eine Abhängigkeit?

Um diese Frage zu beantworten, wurden in diesem Jahr 1.001 Jungen und Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren befragt. Herausgekommen ist, dass 2,6 Prozent der Jugendlichen die Merkmale einer Suchterkrankung erfüllen. Hochgerechnet heißt das, 100.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind süchtig nach WhatsApp, Instagram, SnapChat oder anderen Social-Media-Diensten. Im Schnitt verbringen Jungen und Mädchen durchschnittlich zweieinhalb Sunden täglich in sozialen Netzwerken. Das hört sich viel an, ist aber erst mal der normale Durchschnitt. Außerdem ist herausgekommen, dass Mädchen etwas mehr gefährdet sind als Jungs, da sie häufiger und länger online sind – im Schnitt knapp über drei Stunden pro Tag (Jungen 2,5 Stunden). Je älter ihr werdet, desto mehr Zeit verbringt ihr im Netz. Mädchen zwischen 16 und 17 Jahren sind fast 3,5 Stunden pro Tag in sozialen Medien, gleichaltrige Jungen 2,75 Stunden.

Hast du alles unter Kontrolle?

Kritisch wird es vor allem dann, wenn es keine vernünftige Online-Offline-Balance mehr gibt. Wenn ihr zum Beispiel bestimmte Dinge nicht mehr macht, aus Angst, ihr könntet offline sein. Gleiches gilt, wenn ihr zum Smartphone greift, um euch von Problemen des wirklichen Lebens abzulenken.

Solltest du also das Gefühl haben, dass dieses ewige "im Internet sein" schon etwas übertrieben ist, kannst du dir folgende Fragen stellen, um dein eigenes Verhalten zu erkunden:

  • Wie viele Stunden verbringst du jeden Tag im Internet?
  • Gibt es Dinge, die du im realen Leben früher gerne gemacht hast und die du jetzt vollkommen vernachlässigst? (Zum Beispiel Sport, Freunde treffen, ein Instrument spielen, skaten gehen oder ähnliches.)
  • Hast du überhaupt noch Interesse an etwas Anderem, als an deiner Internetaktivität?
  • Wie oft gibt es Streit mit deinen Eltern wegen deiner Internetnutzung?
  • Wie würde es dir gehen, wenn du plötzlich keinen Zugang zum Internet mehr hättest?

Wenn du bei der Beantwortung der Fragen beunruhigt bist oder das Gefühl hast, dem Thema lieber ausweichen zu wollen, könnte es sein, dass du vielleicht die Kontrolle über dein eigenes Handeln verloren hast. Wie bei allen Sucht-Formen ist es fast unmöglich, alleine einen Weg heraus zu finden, und es ist wichtig, sich Hilfe zu suchen. Du kannst zum Beispiel mit deinen Eltern, einem Vertrauenslehrer, einem Kinder- oder Jugendarzt oder mit Menschen in Beratungsstellen sprechen. Auch wir vom Kreis Kleve haben dafür einen Ansprechpartner.